Sonntag, 16. Mai 2010

Double-dip Rezession im Banne von Animal Spirits

Das Risiko einer Double-dip Rezession (erneuter Rückfall in Abschwung) hat nicht nachgelassen, auch nach der Ankündigung des Rettungsplans (bail out) der EU für Griechenland in der Schuldenkrise nicht, schreibt Robert Shiller in einem lesenswerten Essay in NYT. Die Aktienmärkte legten zunächst nach der Ankündigung des amerikanischen Rettungsplans in Höhe von fast 1'000 Mrd. $ kräftig zu. Dann kam es zum Rückgang, betont Wirtschaftsprofessor an der Yale University. John Maynard Keynes hat vor langer Zeit darauf hingewiesen, dass solche Marktreaktionen im Grunde wie ein Schönheitswettbewerb sind. Das heisst, dass man es nicht als eine herzliche Reaktion auf einen grundlegenden Wandel in der Wirtschaft betrachten soll. In der Tat gibt es noch eine wirkliche Gefahr einer Double-dip Rezession. Es kann aber nicht von statistischen Modellen, die Ökonomen für ihre Prognosen verwenden, quantifiziert werden, erklärt Shiller. Die Gefahr ergibt sich aus Schwäche und Verwundbarkeit des Vertrauens, dessen Niedergang die Märkte zum Absturz bringen, Bilanzen belasten und Einschnitte bei Konsum, Investitionen und lokalen Staatsausgaben verursachen kann. Letztlich besteht das Risiko weitgehend in Sozialpsychologie: Es ist die Angst vor der Angst, wie einst Franklin D. Roosevelt beschrieben hat, erläutert Shiller.


Buy-on-Dips Confidence Index, Graph: Prof. Robert Shiller

Viele Ökonomen zweifeln daran, dass eine Double-dip Rezession bevorsteht, gesteht Shiller. Es Grund mag sein, dass „wir gerade drei solide Quartale des realen Wachstums des BIP erlebt haben“. In der Vergangenheit war es so, dass das um die Inflation bereinigte BIP nach dem Erzielen von Wachstum in 3-4 Quartalen in Folge nie sofort begonnen hat, wieder zurückzufallen. Das gilt zumindest seit 1947, hält Shiller fest. Aber die Prognostiker, die sich auf die nächsten Quartale konzentrieren, vermissen die wirklichen Sorgen, die die Menschen über die Wirtschaft plagen, so Shiller. „Ich benutze eine Definition einer Double-dip Rezession, die nicht die kurze Frist betont. Ich sehe sie stattdessen als Beginn einer Rezession, in der Arbeitslosigkeit auf ein hohes Niveau steigt und dann mit einem enttäuschenden Tempo fällt. Bevor aber die Beschäftigung sich wieder normalisiert, gibt es eine zweite Rezession“, erklärt Shiller. Solange die wirtschaftliche Erholung nicht vollständig ist, dann gibt es eine Double-dip Rezession, auch wenn es Jahre zwischen den Rückgängen liegen, fasst Shiller zusammen. Unter dieser Definition gab es nur eine einzige ernsthafte Double-dip Rezession im letzten Jahrhundert, hebt Shiller hervor. Sie begann mit der Rezession von 1929 bis 1933, welcher eine Rezession in den Jahren 1937-38 folgte. Zwischen diesen Abschwung-Phasen fiel die Arbeitslosigkeit nie unter der Marke von 12,2%, so Shiller. „Betrachten Sie den Kursabsturz am Aktienmark am 6. Mai“, schreibt Shiller weiter. Obwohl die Märkte schnell wieder drehten, wurden Ängste vor Instabilität geweckt, welche die Atmosphäre verändern und die Erholung von einer Rezession verzögern können, vielleicht sogar bis zum nächsten Kursrückgang, so Shiller. Der „Buy-on-Dips Stock Market Confidence Index", den er seit 1989 erstellt, zeige, dass das Vertrauen des einzelnen Anlegers, am Marktrückgang (market dips) zu kaufen, seit 2009 stetig sinkt. „Werden individuelle Investoren den Markt weiter stützen, der derzeit hoch bewertet ist?“, so Shiller als Fazit.

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