Mittwoch, 15. Juli 2015

Rettungsmassnahmen und Vertrauen-Fee

Die Troika und Griechenland haben sich am Montag auf die Umrisse von “neuen Rettungsmassnahmen” geeinigt. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat laut BloombergTV in einem Fernsehennterview gesagt, dass er “mit einem Messer am Hals” zugestimmt habe, den Deal zu akzeptieren.

Die Troika beharrt weiterhin auf Strukturreformen, obwohl die ganze griechische Wirtschaft unter Produktionslücke (output gap) leidet.

Obwohl die harschen Sparmassnahmen nachweislich kein Wachstum auslösen, setzen die EU-Technokraten weiterhin auf strukturelle Reformen, und zwar in Form von internal devaluation (Lohnkürzungen und Sozialabbau).

Es ist ein Restriktionspaket in einer Situation, in der das Land dringend ein Expansionspaket bräuchte, sagt Heiner Flassbeck in einem aktuelen Interview mit NTVMit solchen Massnahmen wird Griechenland weiter schrumpfen, betont der ehemalige Chef-Volkswirt der UNCTAD in Genf.

Griechenland soll nun nach dem Gusto der Troika mit dem Verkauf von Vermögenswerten auf seinen Schuldenüberhang antworten.

Das ist aber eine Aktion auf der Aktivseite der Bilanz. Setzt man auf der Aktivseite an, ändert sich auf der Passivseite der Bilanz so gut wie nichts. Nur die Bilanzsumme verkleinert sich. Es entsteht dadurch kein Wirtschaftswachstum. Schuldenstandsquote (debt-to-GDP) sinkt nicht; sie erhöht sich, weil das BIP nicht wächst.

Strukturreformen betreffen ausserdem die Angebotsseite, während es im Land an gesamtwirtschaftliche Nachfrage mangelt. Die EU-Behörden klammern, wie Paul Krugman darlegt, nach wie vor an Confidence Fairy, obwohl das ökonomische Lehrbuch sagt, dass die Austerität in einer schwer angeschlagenen Wirtschaft unter den gegebenen Umständen schwerwiegende Auswirkungen hat.

Bemerkenswert ist, dass der IWF gestern gestützt auf eine DSA (debt sustainability analysis) auf seiner Internetseite mitgeteilt hat, dass die griechische Wirtschaft nur durch eine umfangreiche Schuldenerleichterung (debt relief) wieder wachsen kann. 

Das ist sicherlich die richtige Schlussfolgerung. Allerdings ist es schwer, die Behauptung zu akzeptieren, dass es sich dabei um eine neue Entwicklung handelt, wie die IWF-Ökonomen sich zu rechtfertigen versuchen.

Troika’s Programm für Griechenland war von Anfang an nicht plausibel: Der Ansatz, hohe Verschuldung durch Austerität abzubauen, ohne Ausgleich durch eine easy-money-Politik, führt zu debt deflation und ist daher zum Scheitern verurteilt. 



1 Kommentar:

Martin Ha hat gesagt…

Was sind die Schlussfolgerungen für uns snleger? Griechische Aktien kaufen, halten oder verkaufen?