Sonntag, 24. September 2017

Ey Mann, wo is’ meine Inflation?


Wenn das Gelddrucken zu Inflation führt, warum hat die mehr als fünffache Ausdehnung der Fed-Bilanz (von 800 Mio. USD im Jahre 2006 auf 4'500 Mio. USD im Jahr 2017) keine Inflation ausgelöst?

Fed-Präsidentin Janet Yellen hat auf der jüngsten Pressekonferenz der US-Notenbank gesagt, dass die fehlende Inflation nicht einfach als eigenartig („idiosyncratic“) betrachtet werden kann.

Darüber hinaus war sie nicht bereitwillig, die Entwicklung als Trend zu bezeichnen. Yellen spricht lieber von einem „Rätsel“ (mystery). 

Die Zerlegung der Komponente der Inflation (gemessen an PCE) nach dem Modell von Yellen zeigt, dass der Mangel an Inflation auf „andere Faktoren“ (siehe bitte die zweite Abbildung) zurückzuführen ist.

Das ist auch der Grund, warum Yellen dem Rückgang der Inflation keine besonderen Eigenschaften zuordnen kann.

Roger Farmer schreibt in seinem Blog, dass der Anstieg der Notenbankgeldmenge (monetary base) nicht zu einem Anstieg der Inflationsrate führt, wenn die Wirtschaft in einer Liquiditätsfalle (liquidity trap) à la Keynes steckt.



Die Liquiditätsfalle, Graph: Roger E.A. Farmer in: Roger Farmer’s Economic Window, Sept 21, 2017.

Donnerstag, 21. September 2017

Warum ist Irland der drittgrösste Gläubiger der USA?


Japan und China (1'000 Mrd. USD) zählen zu den grössten Gläubigern der USA. Nun landet ein anderes Land auf dem Podium: Irland.

Der Inselstaat in Westeuropa lockt mit einem niedrigen Körperschaft-Steuersatz und beherbergt eine Reihe von renommierten US-Unternehmen (Facebook, Google, Microsoft, Apple usw.).

Da die Schatzmeister der High-Tech Unternehmen liquide Mittel i.d.R. in US-Staatsanleihen anlegen, wurde Irland (mit „tax haven-Status“) unterdessen zum grossen Verwahrer von mehr als 300 Mrd. USD (per Juni 2017) an US-Treasury Bonds.

Der entsprechende Wert belief sich noch im Jahre 2012 auf rund 100 Mrd. USD. 

Allein das Portfolio von Microsoft hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt: 112 Mrd. USD.

Nur 12 Länder auf der Welt besitzen mehr US-Staatsanleihen als das US-High-Tech-Unternehmen.


Bestände von US High-Tech Unternehmen an US-Staatsanleihen, Graph: MarketWatch

Dienstag, 19. September 2017

Österreichs Jahrhundert-Anleihe und Niedrigzinsen in Europa


Österreich hat vergangene Woche erstmals eine Bundesanleihe mit 100 Jahren Laufzeit begeben.

Auf das Angebot von 1 Mrd. EUR traf eine Nachfrage von mehr als 11 Mrd. EUR ein. Und es ergibt sich daraus eine Rendite von knapp 2,1%.

In der Eurozone sind Anleihen mit 50 Jahren Laufzeit nicht ungewöhnlich. 

Mit dem 100-jährigen Bonds ist Österreich aber sozusagen ein Vorreiter. 

Das WSJ bemerkt dazu süffisant, dass die Republik Österreich nicht einmal 100 Jahre alt ist.

Das Land hatte bereits im Oktober 2016 eine Anleihe (2 Mrd. EUR) mit einer Laufzeit von 70 Jahren begeben: Zinskupon 1,5%.

Möglich ist eine hundertjährige Emission natürlich wegen der seit der Finanzkrise von 2008 (GFC) vorherrschenden ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken.


Österreich tritt dem „Club der 100-year Bonds“ bei, Graph: Bloomberg, Sept 2017


Belgien und Irland hatten im vergangenen Jahr solche „Methusalem-Papiere“ begeben. Im Juni konnte sogar Argentinien eine hundertjährige Anleihe ausgeben.

Samstag, 16. September 2017

18% Unterbeschäftigung im Euroraum


Peter Praet hat in einem Referat in Frankfurt am Main am Mittwoch darauf hingewiesen, dass die Arbeitslosigkeit trotz des Anstiegs der Erwerbsbeteiligung weiter gesunken ist und sich derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit acht Jahren befindet.

Der EZB-Volkswirt ist zuversichtlich, dass die anhaltende Erholung der Wirtschaft das Vertrauen stärken werde. Die reflationären Kräfte werden am Ende dazu beitragen, dass die Inflation auf den von der EZB angestrebten Zielwert von 2% klettert.

Es sei jedoch zu früh, den Sieg zu erklären, da die Inflationsdynamik gedämpft bleibe.

Nach dem die Inflation in den vergangenen drei Jahren um die Werte unterhalb von 1% geschwebt hat, ist sie nun nach einer Schätzung von Eurostat im Euroraum im August auf 1,5% gestiegen.

Ein wichtiges Element, das den zugrundeliegenden Preisdruck untermauert, ist die gedämpfte Lohndynamik, die durch viele Faktoren geprägt ist, erklärt Praet weiter.


Die Tariflohnentwicklung in der Eurozone, Graph: Heiner Flassbeck in Makroskop, Sept 2017


Donnerstag, 14. September 2017

Warum der Staat grösser wird


Vor rund zwei Wochen hat Präsident Trump sich mit dem US Kongress bis zum 15. Dezember auf eine Zwischenfinanzierung geeinigt.

Zur Erinnerung: In den 1980er Jahren kam es in den USA mehrfach zu Finanzierungsengpässen.

Aber die Schuldenobergrenze wurde jedes Mal angehoben. 

Der Haushaltsstreit im Schatten eines erzwungenen Regierungsstillstands (government shutdown) ist im Grunde genommen ein Nebenschauplatz des anhaltenden politischen Spielballs über die Grössenordnung des Staates bzw. der Staatsausgaben.

Michael Paetz erinnert uns in einem lesenswerten Beitrag im Blog Makroskop daran, dass es „Big Government“ war, der nach dem Finanzcrash von Oktober 1929 dazu beitrug, anhand von verschiedenen Massnahmen (wie z.B. der Einführung von Mindestlohn, der Regulierung der Finanzmärkte und öffentlicher Beschäftigungsprogramme) den Arbeitsmarkt zu räumen.

Die von John Maynard Keynes im Jahr 1936 gelieferte „General Theory“ war die theoretische Basis von New Deal des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt (von 1933 bis 1945).

Was dabei nicht vergessen werden darf, ist die Tatsache, dass ein Grossteil der amerikanischen Infrastruktur aus jener Zeit zur Verfügung gestellt wurde.


Die Kosten im Bereich Gesundheit und Ausbildung steigen rascher als das BIP-Wachstum, Graph: Larry Summers in WaPo, Sept 12, 2017.

Sonntag, 10. September 2017

Was ist der Beitrag der Nettoexporte zum BIP in der Eurozone?


Nick Rowe zeigt in seinem Blog aufgrund eines vereinfachten Modells, dass der Beitrag der Nettoexporte zum BIP gleich Null ist.

Der an der Carleton University in Ottawa, Kanada lehrende Wirtschaftsprofessor nimmt dabei an, dass Investitionen und Staatsausgaben immer Null sind.

So ähnlich wie in der Eurozone also, wo die Austeritätspolitik wie ein Damoklesschwert über der gesamten Wirtschaft hängt: Staatsausgaben werden gekürzt und Unternehmen halten sich angesichts der schwachen Nachfrage mit Investitionen zurück.

Dann sieht das BIP (Y) wie folgt aus:

Y = C + X – M

wobei C = Konsum, X = Exporte und M = Importe sind.

Das Modell ist so entworfen, dass die Abwertung des realen Wechselkurses zu einem Anstieg des realen BIP führt, die Nettoexporte aber nicht dazu beitragen.

Es ist der private Konsum, der das Wirtschaftswachstum wesentlich ankurbelt, so Rowe als Fazit.

Seine Schlussfolgerung lässt aufhorchen, angesichts der Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft einseitig exportorientiert ist und Berlin auch den Rest der Eurozone auffordert, dem deutschen Muster zu folgen, um die Euro-Krise zu überwinden.


Der Beitrag der Exporte zum realen BIP-Wachstum im Vergleich, Graph: Brad Setser, Sept 2017

Donnerstag, 7. September 2017

Der permanente Druck aus Deutschland auf die EZB


Deutsche Bank CEO John Cryan hat am Mittwoch, dem Tag vor der nächsten Zinsentscheidung der EZB ein Ende der niedrigen Zinsen in Europa gefordert.

„Wir sehen inzwischen Anzeichen von Blasen an immer mehr Stellen des Kapitalmarktes“, so Cyran. 

Ausserdem führen die niedrigen Zinsen der EZB zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung im Finanzsystem. Die Erträge der europäischen Banken gehen zurück, lauten seine Argumente weiter.

Er denke, dass der Markt einen Anstieg der Zinsen oder einen Rückgang der negativen Zinsen erwarte.

Die Markteilnehmer zeigen sich zwar seit einigen Wochen zunehmend zuversichtlich, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm demnächst beenden werde.

Das bedeutet aber nicht, dass die Geldpolitik in Kürze „normalisiert“ würde. 

Denn die Chancen einer Zinserhöhung durch die EZB bis zum Ende des Jahres sind zuletzt nach den Futures-Märkten auf den niedrigsten Stand, der je gemessen wurde, gefallen. 


Zinsterminkontrakte für die Zinsen im Euroraum, Graph: FT, Sept 4, 2017