Dienstag, 21. Februar 2017

Wie wirtschaftliche Unsicherheit im Euroraum gemessen wird

Das Blog der britischen Notenbank (BoE: Bank of England) befasst sich in einem aktuellen Eintrag mit dem Thema der wirtschaftlichen Unsicherheit. 

Die Analyse deutet darauf hin, dass die erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit während der globalen Finanzkrise ein wichtiger Faktor für den Verlauf des BIP im Euroraum war.

Die Autorin geht davon aus, dass jeder weitere Anstieg der Unsicherheit eine erhebliche negative Auswirkung auf die wirtschaftliche Tätigkeit im Euroraum entfalten könnte.

Daher müsse die Unsicherheit von politischen Entscheidungsträgern sorgfältig überwacht werden, insbesondere im Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen in einer Reihe von Ländern.

Unsicherheitsschocks (uncertainty shocks), hier als Änderungen in der Grösse der Wahrscheinlichkeitsverteilung eines bevorstehenden makroökonomischen Ergebnisses definiert, sind von Natur aus nicht direkt beobachtbar. 

Daher muss sich ihre Messung auf die Verwendung von beobachtbaren Proxies stützen.

Das sind die in der Literatur am häufigsten verwendeten Näherungsvariablen

Aktienmärkte und implizierte Volatilität der Wechselkurse, Verteilung der auf Umfragen basierenden Erhebungsergebnisse für Unternehmen, Media-Recherche, Haushalts- oder Unternehmensbefragungen und Indizes makroökonomischer Überraschungen.


Wirtschaftliche Unsicherheit im Euroraum, Graph: Bank of England Blog: „Bank Underground“, Febr 2017.

Samstag, 18. Februar 2017

Deutschland hat den Löwenanteil am EZB Gewinn

Die EZB hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 1,19 Mrd. EUR erwirtschaftet.

Das entspricht einem Zuwachs von 111 Mio. EUR im Vergleich zum Jahr 2015.

Der Gewinn geht hauptsächlich auf die Zinserträge aus dem Anleihekaufprogramm und die Erträge auf Fremdwährungsreserven zurück. 

Aber auch die Einnahmen aus der Bankenüberwachung belaufen sich auch 382 Mio. EUR.

Die Bilanzsumme der EZB ist um 36% auf 349 Mrd. EUR (2015: 257 Mrd. EUR) gestiegen.

Die EZB überweist den Überschuss vollständig an die 19 nationalen Zentralbanken.

Der Löwenanteil entfällt auf die deutsche Bundesbank, dem Kapitalanteil der Bundesbank (26%) entsprechend; rund 300 Mio. EUR.


Wie der Gewinn der EZB verteilt wird, Graph: EZB

Freitag, 17. Februar 2017

Bilanzsumme der Fed aus Sicht der öffentlichen Finanzen


Vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise hat sich die Bilanzsumme der Fed auf weniger als 1'000 Mrd. USD belaufen. 

Die meisten Vermögenswerte der Fed bestanden aus kurzfristigen US-Staatspapieren. Die US-Notenbank hat sie mit dem im Umlauf befindlichen Geld gekauft. 

Seit 2008 ist die Bilanzsumme der Fed auf 4'500 Mrd. USD angestiegen. Und es sind mittlerweile die langfristigen US-Staatspapiere (UST) und die mit Hypotheken besicherten Anleihen (MBS: mortgage-backed securities), die die Zusammensetzung der Vermögenswerte (assets) der Fed ausmachen. 

Die meisten dieser Anlagen wurden gegen Reserven, die bei der Fed hinterlegt werden, gekauft.

Wenn man betrachtet, dass das US-BIP einen Wert von rund 19'000 Mrd. USD (2016) hat, erscheint die Bilanzsumme der Fed mit 4'500 Mrd. USD als sehr gross.

Nachdem die Fed begonnen hat, anzudeuten, die Zinsen im Verlauf dieses Jahres schrittweise anzuheben, rückt auch die Grössenordnung der Fed-Bilanz in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Ben Bernanke hat neulich in seinem Blog unterstrichen, dass die Fed die gegenwärtige Grössenordnung ihrer Bilanzsumme auf die lange Sicht beibehalten soll.

Die Bilanzsumme der Fed soll demnach mehr oder weniger im Verhältnis zum nominalen BIP wachsen.

Zusätzlich zu den Aspekten, die vom ehemaligen Fed-Chef ausgeführt werden, gibt es auch ein Argument für die öffentlichen Finanzen, um die Grössenordnung der Fed-Bilanz beizubehalten, um z.B. den Inflationsauftrag zu erfüllen, schreibt David Andolfatto in seinem Blog.


Gewinnausschüttung durch die Fed an das US-Schatzamt, Graph: David Andolfatto

Mittwoch, 15. Februar 2017

Basis Effekt und Inflation im Euroraum

Die jährliche Inflation im Euroraum im Januar ist nach einer ersten Schnellschätzung des eurostat um 0,7% auf 1,8% gestiegen.

Die Mitteilung hat unter denjenigen, die sich Sorgen machen, dass die Inflation ausser Kontrolle geraten kann, eine tiefe Bestürzung ausgelöst. 

Doch fast die Hälfte der Veränderungsrate ist laut Berechnungen der EZB auf den sog. Basiseffekt (base effect) zurückzuführen.

Die Höhe der Teuerungsrate eines bestimmten Monats hängt nicht nur von der aktuellen Preisentwicklung ab, sondern auch von Preisniveaus des Vorjahres.

„Gab es in der vergleichbaren Vorjahresperiode einen (vorübergehenden) starken Preisanstieg, so wird die aktuelle Teuerungsrage tendenziell niedriger, gegebenenfalls auch rückläufig ausfallen“, erklärt destatis.

Der einmalige Effekt fällt, ein Jahr später, aus der jährlichen Teuerungsrate heraus, wie die EZB im Econ Bulletin Issue 1/2017 unterstreicht.


Der starke Anstieg der Energiepreise sind für den gegenwärtigen Anstieg der Inflation im Euroraum verantwortlich, Graph: EZB in Econ Bulletin Issue 1/2017

Dienstag, 14. Februar 2017

EU-Fiskalpakt und Arbeitslosigkeit in Europa


Gemäss Schätzungen von Eurostat waren im Dezember 2016 in der EU28 insgesamt 20 Millionen Männer und Frauen arbeitslos, davon 15,5 Millionen im Euroraum.

Die Arbeitslosenquote im Euroraum ist mit 9,6% immer noch sehr hoch. Das deutet darauf hin, dass Investitionen und Ausgaben nicht ausreichen, um die Arbeitslosen zu beschäftigen. 

Es ist offensichtlich, dass Haushaltskonsolidierung dabei nicht helfen kann. Die Situation würde durch die Kürzung der Staatsausgaben einfach nur noch verschlimmert.

Der Privatsektor ist pessimistisch eingestimmt. Während private Haushalte auf den Konsum verzichten, weil sie kein reales Lohnwachstum erleben, halten sich Unternehmen angesichts der anhaltenden Nachfrageschwäche mit Investitionen zurück. Die zusätzliche Nachfrage nach Arbeitskräften ist daher beinahe null.

Doch die EU-Kommission legt im am Montag präsentierten „Winter 2017 Economic ForecastFrankreich nahe, sofortige Sparmassnahmen (fiscal austerity) zu ergreifen, weil das Haushaltsdefizit im Jahr 2018 auf 3,1% des BIP zu steigen drohe, falls inzwischen nichts unternommen werde, wie FT aus London berichtet. 



Frankreich muss aufpassen, dass das Haushaltsdefizit nicht auf 3,1% des BIP steigt, warnt die EU-Kommission, Graph: FT

Sonntag, 12. Februar 2017

Kurzfristige Ausrichtung von Unternehmen und Wirtschaftswachstum

Es ist augenscheinlich, dass kurzfristiges Unternehmensdenken ein Nebenprodukt der Ära der sog. „Great Moderation“ ist. 

Gemeint ist die extrem kurzfristige Orientierung von Managern und Finanzakteuren im Markt. 

Es besteht mittlerweile kein Zweifel daran, dass exzessiv kurzfristiges Denken und Handeln von Unternehmen bzw. von CEOs eine der möglichen Ursachen der finanziellen Instabilität ist.

Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund eine von McKinsey Global vorgelegte neue Studie, in der die Frage, ob die Unternehmen systematisch Kurzsichtigkeit (short-termism) an den Tag legen und damit langfristig zu wenig investieren.

Im Ergebnis halten die Autoren der Analyse fest, dass die Unternehmen mit einer langfristigen Perspektive in Sachen Beschäftigungswachstum und Shareholder-Rentabilität deutlich besser abschneiden.

Die Kriterien, die McKinsey Global dazu Grunde legt, sind, Ideen, überzeugende Strategien, Management-Team usw. Unternehmen, die sich von short-termism nicht abhalten lassen, investieren stark, suchen nach mehr Umsatz und kaufen im Markt limitiert Aktien zurück.


Unternehmen mit langfristigem Denken und Handeln tragen mehr zu Beschäftigung bei und fördern die Produktion als Unternehmen, die sich kurzfristig orientieren, Graph: McKinsey Global in: "Where companies with a long-term view outperform their peers", Februar 2017.

Samstag, 11. Februar 2017

Speculation


Buchbesprechung

Stuart Banner: Speculation – A History of the Fine Line Between Gambling and Investing, Oxford University Press, New York, Oxford, 2017.

Was ist der Unterschied zwischen Spekulation und Investment? Im 19. und 20. Jahrhundert waren die Gerichte bzw. Richter, Rechtsanwälte und Gesetzgeber dafür zuständig, über die Frage zu befinden, ob es sich bei einer Finanztransaktion um eine Spekulation oder eine Investition gehandelt hat.

Die weise-Man-Regel („the prudent man rule“) stand im Vordergrund, die für die Treuhänder galt:

Eine Investition dient der Sicherung eines Einkommens für die Begünstigten, während die Spekulation zur Realisierung eines Gewinns aus der Transaktion dient, erklärte der Richter einst.

Doch eine Anzahl von Umständen konnte eine Investition in die verbotene Kategorie von Spekulation geraten lassen. Eine Investition mit geliehenem Geld (leverage) war z.B. eine reine Spekulation. Die Grenze zwischen Investition und Spekulation wurde im Verlauf der Geschichte aufgrund von einigen bestimmten Aspekten dauernd verschoben (kurzfristige Sicht vs langfristige Sicht, inflation, Portfolio-Diversifizierung, skill & diligence des Treuhänders usw.).

Einer breit vertretenden Ansicht nach war die übermässige Spekulation die unmittelbare Folge der Deregulierung der Finanzmärkte. Zitiert werden heute in diesem Zusammenhang u.a. die Abschaffung des Glass-Steagall Act.

Stuart Banner hingegen vertritt in seinem neuen Buch die Meinung, dass es die Ära „Great Moderation“ war, die zu einem geistigen Klima beigetragen hat, welches für die Deregulierung der Finanzmärkte empfänglich war.