Dienstag, 7. Juli 2015

Ökonomen in einem offenen Brief an Merkel: Schluss mit Austerität

In einem offenen Brief warnen renommierte Ökonomen aus den USA und Europa vor weiteren katastrophalen Folgen der Austeritätspolitik: Die sog. Anpassungsprogramme sind gescheitert.

Thomas Piketty, Jeffrey Sachs, Heiner Flassbeck, Dani Rodrik und Simon Wren-Lewis schreiben in The Nation, dass die meiste Welt wusste, dass die Austerität, die die Verschuldunssituation verschlimmert hat, zu Massenarbeitslosigkeit und zu einem Zusammenbruch des Banken-Systems führen würde.

Die humanitären Auswirkungen sind kolossal, so die prominenten Ökonomen als Unterzeichner des offenen Briefes an die Bundeskanzlerin Angela Merkel:

Alle zusammen fordern wir Kanzlerin Merkel und die Troika auf, eine Kurskorrektur zu überlegen, um weiteres Disaster zu vermeiden und Griechenland zu ermöglichen, in der Eurozone zu bleiben.

Derzeit wird die griechische Regierung dazu gedrängt, eine Pistole an den Kopf zu halten und auf den Abzug zu drücken. Die Kugel wird nicht nur die Zukunft Griechenlands in Europa töten. Der Kollateralschaden wird auch die Eurozone als Hoffnungsschimmer, Demokratie und Wohlstand zerstören und möglicherweise weitreichende wirtschaftliche Folgen in der ganzen Welt verursachen.

In den 1950er Jahren wurde Europa auf dem Erlass der Schulden aus der Vergangenheit aufgebaut, insbesondere auf dem Erlass von Deutschlands Schulden, was einen massiven Beitrag zu Wirtschaftswachstum und Frieden in der Nachkriegszeit geleistet hat.

Die Botschaft an die Bundeskanzlerin ist klar: Schluss mit dem Spardiktat.


Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Es ist schon erstaunlich, wie eindimensional manche Ökonomen denken. Während sie die deutsche Bundeskanzlerin für ihr Verhalten gegenüber Griechenland kritisieren, verlieren sie kein Wort über das Vorgehen der Amerikaner bei der Pleite von Puerto Rico.
Weitere Details sind hier zu finden:
http://www.voxeu.org/article/meaning-referendum-austerity-and-sovereignty

Martin Ha hat gesagt…

Jeder Staat hat Einnahmen aufgrund diverser Steuern. Dem gegenüber stehen die staatlichen Ausgaben zum Beispiel für Militär, Beamtenlöhne, Schulen, Universitäten. Ziel muss sein, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht übertreffen. In der Schweiz funktioniert dies sei Jahrzehnten. Auch im privaten Bereich gilt diese Formel. Dazu gilt: Kredit bekommt man nur gegen Sicherheiten. Warum darf man dies nicht von Griechenland fordern? Warum werden plötzlich die Geld- und Kreditgeber angeklagt (Deutschland, EU) und nicht der griechische Staat, dessen marodes Steuersystem zu wenige Einnahmen generiert? In der Pflicht steht die griechische Regierung! Sie muss zeigen, dass sie ihr eigenes Budgetvom Griff hat (Primärüberschuss).